Wenn die Feierlichkeiten zum Abi das Stadtleben stören
In Berlin haben kürzlich die Feierlichkeiten zum Abitur in Parks für viel Aufsehen gesorgt. Die Polizei musste eingreifen, um Lärm und Müll zu reduzieren.
Manchmal gewährt die Stadt Momente, die das Leben erträglich machen. Wie etwa die Abendstunden im Görlitzer Park. An diesem besonders warmen Abend entschloss ich mich, einen kleinen Spaziergang zu machen. Der Geruch von frisch gegrilltem Fleisch und das Lachen der Menschen ließ mich intuitiv in die Richtung der kleineren Wiesen lenken, wo man die Abiturienten feierte. Überall standen Gruppen, die mit bunten Ballons und Plakaten das Ende ihrer Schulzeit zelebrierten. Der Glanz in ihren Augen, das Dröhnen der Musik – es war ein Bild der Freude, das sich im besten Licht präsentierte.
Aber dann, wie aus dem Nichts, fiel mein Blick auf den Müll, der sich in den Ecken der Wiese stapelte. Becher, Flaschen, Pizzakartons – als ob die Feierlichkeiten nicht nur die Schulzeit, sondern auch das Gefühl für Verantwortlichkeit verabschiedet hätten. Man könnte meinen, die Abiturienten hätten sich nicht nur für die Freiheit, sondern auch für einen kurzen Moment der Anarchie entschieden. Die Stadt, unsere geliebte, überfüllte Metropole, schien dabei den Atem anzuhalten; ein dumpfer, kollektiver Seufzer durchzog die Gassen. Es waren nicht nur die Abiturienten, die feierten, sondern auch die Anwohner – allerdings in einem anderen, klammheimlichen Sinne.
Die Polizei, die an diesem Abend patrouillierte, kam bald. Ihre Uniformen waren unauffällig, doch man spürte die Autorität, die sie ausstrahlten. Mit festen Schritten bewegten sie sich durch die Menschenmengen, und die Musik wurde leiser. Unwillkürlich dachte ich, dass diese Interaktion zwischen den Feiernden und den Ordnungshütern einen weiteren Beweis für die ständige Spannung zwischen Jugendsinn und Bürgerpflicht darstellt. Die Feierlichkeiten wurden nicht unterbrochen – sie wurden gezähmt.
Doch, wie es oft mit solchen Eingriffen ist, stellte ich mir die Frage, ob das wirklich ein notwendiges Übel war oder ob es nicht auch eine andere Lösung gegeben hätte. Ich erinnerte mich an die Geschichten, die ich über die sommerlichen Grillabende im Tempelhofer Feld gehört hatte, wo jeder das Gefühl hatte, ein Teil von etwas Größerem zu sein und die Nacht zu genießen, ohne dass jemand das Gefühl hatte, seine Nachbarn zu stören. Natürlich gab es da auch Müll, aber der Unterschied lag im guten Willen, der in der Luft lag, zwischen den Feiernden und den Anwohnern.
Die Berichterstattung über die Einschränkungen der Abitur-Feiern in den Parks weckte nicht nur Fragen über Lärmschutz und Müllentsorgung, sondern auch über die Rolle der Polizei in unserem täglichen Leben. Es ist eine heikle Balance. Auf der einen Seite die individuelle Freiheit, das letzte Schuljahr ausgiebig zu zelebrieren; auf der anderen Seite der kollektive Wunsch nach Ruhe und Ordnung. Vielleicht war es die Unordnung, die in diesen Sommernächten zur Überreizung der Stadt beitrug. Ein gewisses Maß an Lärm ist, wenn man so will, Teil des Stadtlebens – aber wo ziehen wir die Grenze?
Als ich an diesem Abend nach Hause zurückkehrte, dachte ich über die Verantwortung nach, die mit dem Feiern einhergeht. Nicht nur für die eigenen Freuden, sondern auch für die der anderen, und für die Stadt selbst. Wir sind alle Teil eines gemeinsamen Ökosystems, in dem jeder seine Spuren hinterlässt – und manchmal sind es die besten Erinnerungen, die auch die schmerzhaften Folgen mit sich bringen.
Die Abiturfeierlichkeiten sind nicht nur eine Flucht aus dem Alltag, sondern auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. Sie zeigen uns, wie schnell Freude zu Ärgernis werden kann. Wenn ich die Abiturienten in ihren bunten T-Shirts und mit ihren Gläsern sah, dachte ich an die Unbeschwertheit der Jugend und an die Unfähigkeit, über den eigenen Tellerrand hinauszudenken. Ist es nicht das, was wir als Erwachsene immer wieder versuchen zu lernen? Das Gleichgewicht zwischen dem eigenen Vergnügen und dem Respekt vor der Umgebung zu wahren?
Die Ansichten über das Feiern und Feiern lassen sich nicht so einfach in Schwarz-Weiß färben. Vielleicht ist das sogar das, was die Berliner Schaffensfreude ausmacht – die Unfähigkeit, sich auf eine einzige Wahrheit festzulegen, während die Realität vielschichtiger ist. Es gibt die Abiturienten, die den neuen Lebensabschnitt bejubeln, die Anwohner, die den müden Alltag mit ihrer Ruhe und Ordnung pflegen – und am Ende die Stadt, die beide Seiten im wahrsten Sinne des Wortes zusammenbringt.
So uncharmant der Müll und so laut die Musik auch sein mögen, sie sind Teil des Lebens im städtischen Raum. Und welche Stadt könnte sich das leisten, ihre Lebendigkeit zu verlieren, nur um eine Probe der Ordnung aufrechtzuerhalten? Manchmal ist es genau diese Unordnung, die uns daran erinnert, dass wir alle zusammen in diesem chaotischen und wunderschönen Gefüge leben. Der Glaube an das Ordnungssystem wird sofort von der Freude der Jugendlichen in den Schatten gestellt. Aber vielleicht, nur vielleicht, liegt in diesem Spannungsfeld das Geheimnis eines erfüllten Lebens in der Stadt.
In Anbetracht dieser Abende kann ich nicht anders, als ein wenig zu schmunzeln. Im besten Fall sind wir alle ein wenig chaotisch, und hin und wieder ist das in der Stadt einfach nur nötig. Es bleibt die Frage, ob wir die Abiturienten und deren ausschweifenden Feste nicht einfach als das nehmen sollten, was sie sind: Ein Sinnbild der Lebensfreude, das uns selbst ermahnt, dass wir schuldig sind, wenn wir vergessen, das Leben zu genießen. Wir leben schließlich nicht, um die Ordnung aufrechtzuerhalten, sondern um die Freude zu feiern, auch wenn das gelegentlich mit einem Haufen Müll einhergeht. Während die Polizei ein Auge darauf wirft, bleibt die Frage, ob das wirklich die Lösung ist, oder ob wir nicht alle ein wenig mehr Freude in das Stadtbild bringen sollten, ohne dass es gleich zur Anklage kommt.